Diskussion über die Wiederbelebung der Bachgaubahn stößt auf große Resonanz
Überparteiliche Allianz
Verkehr: Diskussion über die Wiederbelebung der Bachgaubahn stößt auf große Resonanz - »Die Zeit drängt«
ASCHAFFENBURG/GROSSOSTHEIM. Eine Dreiviertelstunde Fahrzeit für knapp 15 Kilometer, Busse und Autos, die stets im Stau stehen, Pendler und Schüler, die regelmäßig zu spät kommen sowie eine voreilig stillgelegte Bahntrasse: Dies sind die Gründe, weshalb sich Kommunalpolitiker und Bürger aus Großostheim für eine Reaktivierung der Bachgaubahn zwischen der Marktgemeinde und Aschaffenburg engagieren. Eine Diskussion über das Thema »Bachbau-Bahn« in der Stadthalle stieß auf große Resonanz.
Das sich als »überparteilich« verstehende »Bündnis Bachgau-Bahn« setzt sich dafür ein, dass auf dem 1974 für den Personenverkehr stillgelegten Bahnstrecken-Abschnitt Großostheim - Aschaffenburg der vor 100 Jahren eröffneten Bachgaubahn nach Höchst im Odenwald wieder Reisezüge rollen. Ein Potenzial von rund 2500 Fahrgästen am Tag hat das Bündnis hierfür ausgemacht.
Bei zwei Informationsveranstaltungen in Großostheim konnten die Bahnfreunde die Kommunalpolitik der Marktgemeinde bereits auf ihre Seite zu ziehen: Alle Fraktionen des Gemeinderats unterstützen die Initiative. Mit einer Unterstützung der politisch Verantwortlichen in der großen Nachbarstadt waren sie sich allerdings nicht so sicher, hatten sie doch in ihrer Juli-Veranstaltung vom Aschaffenburger Grünen-Stadtrat Stefan Wagener gehört, dass Aschaffenburg eine Schnellbuslinie über die B 469 und B 26 favorisiere.
Keine Klassenarbeit vor 9 Uhr
In der von Wagener moderierten Informationsveranstaltung in der Stadthalle rannte das Bündnis aus dem Bachgau jetzt sie allerdings offene Türen ein: Die Großostheimer Marktgemeinderäte Manfred Brenneis (CSU), Wolfgang Jehn (SPD) und Bündnis-Sprecher Artur Schnatz (Grüne) trafen auf ein ebenfalls parteiübergreifendes Wohlwollen bei den unter dem 60-köpfigen Publikum anwesenden Stadträten Rainer Kunkel (CSU), Anne Lenz-Böhlau (SPD), Mechthild Schößler (Grüne) und Johannes Büttner (KI).
So sprach sich Stadtrat Kunkel deutlich für eine Bahnlösung aus und verwies auf die Verkehrsbelastung der Großostheimer Straße. Sein Großostheimer Kollege Jehn bezifferte diese mit 25 000 Fahrzeugen täglich und einer Steigerung um 4000 innerhalb der letzten vier Jahren: »Als ich vor 30 Jahren nach Aschaffenburg in die Schule fuhr, brauchte ich gerade mal 20 Minuten mit dem Bus«, erinnert er sich. »Heute müssen meine Töchter schon um sechs Uhr morgens aufstehen, um pünktlich zum Unterricht zu erscheinen. Klassenarbeiten können erst ab 9 Uhr geschrieben werden, weil man nie weiß, ob die Schulbusse aus dem Bachgau pünktlich sind.«
Auch die Bedeutung des neuen Hauptbahnhofs als Verknüpfungspunkt zwischen Region und überregionalem Verkehr gelte es zu stärken: »Wer heute von Großostheim nach Berlin oder Köln will, ist in einer halben Stunde mit dem Auto in Hanau und steigt dort in den ICE ein. In dieser Zeit hätte sein mit dem Bus zum Hauptbahnhof Aschaffenburg noch nicht einmal den Main hinter Nilkheim überquert.« Andere Diskussionsredner wiesen auf Nachteile für den Aschaffenburger Einzelhandel hin, wenn immer mehr Bewohner des Bachgaus zum Einkaufen nach Darmstadt oder Hanau fahren, weil es mit dem Auto dorthin schneller gehe.
»Wünschenswert«
Auch aus den Ausführungen des Aschaffenburger Stadtentwicklungsreferenten Bernhard Kessler war durchaus Zustimmung zum Anliegen der Initiatoren herauszuhören. »Aus der Sicht der Stadt Aschaffenburg ist eine von Bayern betriebene Bahnlinie nach Großostheim wünschenswert«, betonte er. Allerdings hätte die Bayerische Eisenbahngesellschaft noch 2007 eine Bachgaustrecke für nicht notwendig erachtet. Es müsse also erst einmal der Freistaat überzeugt werden und dann müssten beide betroffenen Kommunen zur Mitfinanzierung gewonnen werden. Die auf dem Stadtgebiet noch liegenden Schienen müssten ertüchtigt werden, weil sie derzeit nur für Güterzüge zugelassen seien.
Kessler gab aber auch zu verstehen, dass mit der Bahnertüchtigung alleine das Verkehrsproblem in Nilkheim nicht gelöst werden könne. Das Ziel, die Verkehrsbelastung in der Großostheimer Straße auf unter 8000 Fahrzeuge am Tag zu senken, sei nur zu erreichen, wenn der Verkehr aus dem Bachgau und der B 469 über die B 26 geleitet würde. Deshalb sei ein Ausbau der Darmstädter Straße unverzichtbar.
Da jenseits der Aschaffenburger Stadtgrenze seit 1991 keine Gleise mehr liegen, müsste hier die Trasse neu gebaut werden. Ein maßgeblicher Kostenfaktor werde auch die Querung der Staatsstraße AB 16 im Bereich des »Langen Handtuchs« sein, für die wegen der Grundwasserproblemantik nur ein Überführungsbauwerk in Betracht kommt, hieß es in der Versammlung.
Wo genau der neue Bahnsteig in Großostheim gebaut werden soll, blieb zunächst ebenso offen wie die Frage, ob dann noch in sogenannte örtliche Citybusse umgestiegen werden soll, um weitere Ortsteile anzuschließen.
Machbarkeit festzurren
Sowohl den Vertretern aus Großostheim als auch den Aschaffenburger Stadträten kam es vordringlich darauf an, recht bald die Machbarkeit festzuzurren, die Rathauschefs an einen Tisch zu bringen und Grundsatzentscheidungen beider Kommunen für die Bachgau-Bahn zu erwirken, damit das Projekt im 2015 aufzustellenden Bundesverkehrswegeplan berücksichtigt werden kann.
Auch aus einem anderen Grund tickt die Uhr: Die 40 Jahre alte Brücke der B 469 über die alte Bahntrasse muss saniert werden. Der Bund könnte aus Kostengründen auf eine Brücke verzichten und den Damm mit Erdreich auffüllen. Ernst Bäppler
(Main-Echo 22.10.2011)






