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Johannes Büttner

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Demonstration Freitag, 27. Januar · 18 Uhr · Aschaffenburg · Sandkirche

Rede 27.1.2012 Gedenktafel Sandkirche – von Johannes Büttner (KI-Stadtrat)

Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler – mit Hilfe und im Bündnis mit den konservativen bürgerlichen Parteien – deren Nachfolger auch heute noch alles was links steht bespitzeln und beobachten lassen!

Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag und einen Tag später wurde vom Reichspräsidenten Hinderburg der zivile Ausnahmezustand verhängt (Verordnung des Präsidenten zum Schutz von Volk und Staat).

Damit war die formaljuristische Grundlage geschaffen zur unerbittlichen Verfolgung der politischen Gegner des Nazi-Staates.

Gefängnisse und die ersten Konzentrationslager Dachau und Sachsenhausen füllten sich mit sogenannten „Schutzhäftlingen“. Allein in Bayern wurden bis zum 13. April 1933 etwa 3000 Kommunisten und 2400 Sozialdemokraten und Gewerkschafter verhaftet.

Im Reichsgebiet war darunter Erich Mühsam, Ludwig Renn, Egon Erwin Kisch, Karl von Ossietzky u.v.a.

In Aschaffenburg wurden ab März 1933 Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter hier hinter der Sandkirche ins Gefängnis gesperrt, bevor ein Teil davon ins KZ Dachau abtransportiert wurde.

Ich möchte kurz stellvertretend für viele andere aus dem Raum Aschaffenburg an folgende Antifaschisten erinnern die hier von den Nazis ins Gefängnis geworfen wurden:

An die kommunisten Karl Griesemer, Josef Grimm, Mathias Haab, Xaver Haberl, Otto Kläre, Friedrich Panocha und Martin Pfarrer.

An die Gewerkschafter Johann Brummer, Otto Dietz, Adam Mantel, Sebastian Rollmann und Leonhard Schäfer.

An die Sozialdemokraten Georg Dewald, Fritz Fronober, Eugen Ostheimer und Jean Stock.

Im November 1938 folgten dann die jüdischen Mitbürger, die nach der „Reichspogromnacht“ hier hinter der Sandkirche eingeliefert wurden – in Schutzhaft genommen – bevor ein großer Teil von ihnen Ende November 1938 zu Fuss zum Hauptbahnhof und danach ins KZ Dachau transportiert wurden.

Aber auch die Opfer von Denunziation - weil man ausländische Rundfunksender hörte oder sich in einen französischen oder polnischen Zwangsarbeiter verliebte, landeten hier in diesem Gefängnis.

Hier erinnert nun diese Gedenktafel als „Denkzeichen“ an die Opfer des Nazi-Terrors von 1933 – 1945 und diejenigen die dagegen Widerstand leisteten.

Dass diese Tafel hier hängt, ist kein Zufall und war auch keine freiwillige Entscheidung der Stadt. Am 8. Mai 1985 – 40 Jahre nach Kriegsende wurde sie mit diesem Text von jungen Antifaschisten und Stadträten der Grün-Alternativen Liste (GAL) als Provisorium angebracht.

Nachdem sie mehrmals zerstört worden war beschloss der Stadtrat offiziell am 15. Januar 1990 diese Tafel mit dem gleichen Text in Bronce anzubringen.

Sie wurde am 19. Mai 1990 feierlich angebracht und am 3. Oktober 1990 – im Zuge der Jubelfeiern zu Wiedervereinigung von jungen Nazis im nationalen Taumel von der Wand gerissen und gestohlen.

Die neue Tafel hat jetzt mehrere Farbanschläge aushalten müssen – auch heute Nacht wieder – wieder haben Neonazis diese Tafel besudelt – und das am Holocaust-Gedenktag. Es zeigt uns: die Neonazis sind auch in Aschaffenburg aktiv.

Wir dürfen am heutigen Tag der Befreiung des KZ Ausschwitz durch die Rote Armee nicht diese nach wie vor existierende Gefahrt des Rassismus und Nationalismus verharmlosen. Dieser latente Neonazi-Terror ist zwar nicht vergleichbar mit der industriellen Tötungsmaschine des Deutschen NS-Staates – er ist aber die Glut die wieder ein Feuer entfachen kann bei der latent rechtslastigen, antisemitischen und rassistischen Gesinnung von rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung.

10 Mordopfer der Neonazizelle die vom erzkonservativen Verfassungsschutz aufgepäppelt wurde, sind nur die Spitze des Eisberges! Nach Recherchen der Zeit wurden von 1990 bis 2011 - 148 Menschen - durch rechte Täter erschlagen, erstochen oder erschossen! Viele Neonazis haben zudem riesige Waffenlager angehäuft um für ihren Tag X gewappnet zu sein.

Hier gilt die Mahnung von Berthold Brecht der uns wachsam warnte:

Der Schoss ist fruchtbar noch – aus dem dies Ungeheuer kroch!

Wir müssen Gesicht zeigen, wenn wir der Meinung sind, dass Faschismus keine Meinung ist sondern ein Verbrechen! Deshalb Zivilcourage und aktives Handeln gegen jede Form von nationaler und rassistischer Hetze – ob auf der Straße oder in der Kneipe! Maul auf und Arsch hoch – wer solls tun – wenn nicht wir!