Visionen rund ums Gleis
Zweite Verkehrskonferenz: Neue Haltestellen, Personenbeförderung mit der Hafenbahn und City-Ringlinie
ASCHAFFENBURG. Neue Haltestellen im Osten und Westen der Stadt, Personenverkehr auf der Hafenbahn und eine »City-Ringlinie« auf Schienen vom Ende der Gleise im Hafen über die Ebertbrücke zum Hauptbahnhof - Pläne und Visionen bestimmten die zweite Verkehrskonferenz von Kommunaler Initiative (KI) und Verkehrsclub Deutschland (VCD). Neben wenigen Zukunftsprojekten prägten Debatten der Vergangenheit die Veranstaltung.
Zu den in relativ naher Zukunft angestrebten Verbesserungen im Nahverkehr zählte Stadtentwicklungsreferent Bernd Keßler den Neubau der Schienen-Haltepunkte Aschaffenburg-Ost und -West. Besonders die Station im Osten, in Höhe der Österreicher Kolonie, genieße »höchste Priorität«, wobei es bei den langen Planungszeiträumen durchaus zehn Jahre bis zur Verwirklichung dauern könne. Der Haltepunkt habe durch Landratsamt, AOK und etliche Schulen ein großes Fahrgastpotenzial. Das erkenne auch die Bayerische Eisenbahn-Gesellschaft (BEG) an, die im Auftrag des Freistaates den Schienenverkehr in der Region bestellt und bezahlt. Anders sehe es mit dem Haltepunkt West - etwa in Höhe der Italienerbrücke - aus, mit dem das Gewerbegebiet Strietwald bedient werden könnte. Weil hier größere Umbauten an der Strecke nach Frankfurt erforderlich wären, habe die BEG bereits abgewinkt.
Schülerzug nach Leider?
Neue Perspektiven sieht KI-Stadtrat Johannes Büttner für einen Personenverkehr auf der Hafenbahn. Der war vor einigen Jahren im Zusammenhang mit dem möglichen Fos/Bos-Neubau untersucht, später aber verworfen worden. Die Diskussion über die »Schuldfrage« beherrschte lange Zeit die Diskussion der gut zwei Dutzend Teilnehmer.
Eine Überlegung der BEG, die aus Termingründen keinen Vertreter geschickt hatte, gibt neue Hoffnung. Laut Büttner plant sie den erfolgreichen Schülerzug zwischen Süd- und Hauptbahnhof mittags nach Mainaschaff und Stockstadt zu verlängern. Nach Auskunft der BEG wäre es möglich, diesen Zug auch über die Hafenbahn bis zum Schulzentrum nach Leider zu fahren. Keßler betonte aber, dass die Stadtverwaltung diese Lösung nach wie »skeptisch« sehe.
Werner Siegmund vom VCD sah keine finanziellen Probleme. Man müsse solche Vorhaben nicht künstlich teuer rechnen, sondern könne mit »Billiglösungen«, etwa einfachen Holzbahnsteigen, gut leben. Fragen von Anliegern der Hafenbahn nach Lärmschutz wischte er beiseite. Der Schülerverkehr entstehe nur tagsüber. »Was braucht's denn da für einen Lärmschutz?«
Durchaus offen für eine solche Schienenverbindung zeigte sich Gerd Hutterer, der Geschäftsführer der Westfrankenbahn. Die Reaktivierung der Strecke koste etwa drei Millionen Euro. »Das wäre zu realisieren.« Befahren will er sie aber nur, wenn die BEG Züge bestelle. Den in der Diskussion vorgeschlagenen Betrieb auf eigenes Risiko lehnte er ab. »Wir sind dazu verpflichtet, Gewinn zu machen.« Dieter Gerlach, Leiter der Aschaffenburger Stadtwerke, verwies auf Nachteile für die Kunden. Weil die Busse nicht parallel zur Bahn fahren könnten, würden viele Fahrgäste eine schnelle und komfortable Verbindung verlieren.
Von Bedürfnissen leiten lassen
Im übrigen verteidigte er das Busangebot der Stadt gegen Kritik an Details. Rund 8,5 Millionen Fahrgäste beförderten die Busse im Jahr, bei Betriebsvergleichen in Bayern liege die Stadt immer auf dem ersten Platz. Die Werke arbeiteten ständig an einer Verbesserung des Angebotes, seien es der Nachtverkehr bei Großveranstaltungen wie der Museumsnacht oder detaillierte Mobilitätsberatungen wie für die Beschäftigten des Klinikums.
Gerlach warnte davor, verschiedene Mobilitätsformen gegeneinander auszuspielen. Bei allen Planungen und Visionen müsse man sich von »den Bedürfnissen der Menschen« leiten lassen, nicht ausschließlich von den Wünschen. Klaus Gast
<Main-Echo 27. Juli 2010>





