Unterschiedliche Ansichten gab es in den Details. Während Johannes Büttner (KI) und Klaus Mark (VCD) weitreichende Eingriffe der Stadt forderten, plädierte Stadtentwicklungsreferent Bernhard Keßler für die Umsetzung der Konzepte, die der Stadtrat bereits im Grundsatz beschlossen hat.
Keine Einigung: Durchfahrtsverbot
Beispiel Durchgangsverkehr: Einig waren sich Büttner und Keßler, dass Schwerlastverkehr ohne Ziel in Aschaffenburg auf der Autobahn um Aschaffenburg gelenkt werden soll. Einem Durchfahrtsverbot schloss sich der Stadtentwicklungsreferent aber nicht an. Büttner und Mark hatten das gefordert - mit Blick auf Mautflüchtlinge oder Lastverkehr, der die Blockabfertigung an der Hösbacher Einhausung umgehen will.
Beim Individualverkehr stellte Keßler das städtische Konzept vor: Alle Stadtzufahrten führen auf den Ring, der den Verkehr auf die Hauptwege zu den Parkhäusern verteilt. Ansonsten sollen Privatautos nur »durchsickern« aber nicht mehr ungehemmt durch die Stadt durchfahren können.
KI-Modell: Vier Sektoren
Die KI dagegen verfolgt ein Modell, das die Innenstadt in vier Sektoren unterteilt. Der Verkehr soll jeden Sektor auf einer Hauptroute anfahren und verlassen, Durchgangsverkehr komplett unterbunden werden. So lasse sich nach dem Ringschluss und dem Bau der Bahnparallele das Stadtzentrum in eine Fußgängerzone verwandeln.
Das Planungsamt werde dem Stadtrat in diesem Sommer einen Rahmenplan vorlegen, wie die Verkehrsberuhigung der Innenstadt nach dem Ringsschluss aussehen könne, kündigte Keßler an. Anklingen ließ er, dass alle Vorschläge eines brauchen: politische Mehrheiten.
Vielleicht erfüllt der Stadtrat gar einen Wunsch, den Renate Gernhardt (ADFC) äußerte und den Büttner und Keßler wohlwollend aufnahmen: Wenn Ring und Bahnparallele die Innenstadt entlasten, könnten Friedrich- und Weißenburger Straße zurückgebaut und der Grünzug dazwischen aufgewertet werden. Dann könnte der Ludwigsbrunnen von der Großmutterwiese an seinen früheren Standort, die heutige Kreuzung Luitpold- / Friedrichstraße zurückkehren.
VCD: 18 Stunden Busbetrieb
Den Busbetrieb wollen KI und VCD weiter ausgebaut wissen, als es die städtischen Planungen vorsehen. Keßler hatte auf den Nahverkehrsplan verwiesen, der Qualitätsziele für jede Buslinie festlege und zudem das Umland einbeziehe, aus dem mehr als die Hälfte des Verkehrs in Aschaffenburg stamme. Außerdem kündigte er an, dass in diesen Tagen die Umrüstung von 50 Ampeln beginne: Busfahrer können sich dann Vorrang schalten.
Büttner forderte für die KI die Einführung von Ringbuslinien um die Innenstadt. Ausschließlich öffentlicher Personennahverkehr soll das Sektorenmodell durchbrechen dürfen.
Mark rückte vom früheren Vorschlag ab, über die vorhandenen Gleise hinaus einen schienengebundenen Nahverkehr (A-Bahn) in der Stadt aufzubauen. Das gesparte Geld müsse aber in die Busförderung fließen, anders lasse sich der ÖPNV nicht zur Alternative zum Auto entwickeln. Unter anderem müsse der Busbetrieb auf 18 Stunden pro Tag ausgeweitet werden.
Parken bald überall geregelt
Dass die Stadt zu wenig für Radfahrer und Fußgänger tue: Diese Kritik wies Keßler zurück. Die Fuß- und Radwegkonzepte seien weitgehend umgesetzt, der Rest folge. Nur zwei Einbahnstraßen in der Innenstadt seien nicht für Radfahrer in Gegenrichtung geöffnet - in einem Fall (Karlstraße), weil die politische Mehrheit dem Vorschlag der Stadtplaner nicht folgte.
Schon nach dem Bau des Hauptbahnhofs werde die Stadt im Bahnhofsviertel das Anwohnerparken einführen. Dann sei das Parken in der gesamten Innenstadt geregelt und eine Forderung der KI erfüllt, so Keßler.
Peter Freudenberger
Verkehrsplanung: Autos sollen nur noch »durchsickern«
Konzepte der Kommunalen Initiative und der Stadtentwickler für die Innenstadt nach dem Ringschluss
Aschaffenburg Die Durchfahrt von Lastverkehr zu verhindern, das ungeregelte Parken zu beseitigen, den Busbetrieb zu fördern sowie das Rad- und Fußwegenetz auszubauen: In diesen Zielen stimmen Kommunale Initiative (KI), Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Stadtplaner in Aschaffenburg überein. Gezeigt hat das ein Abend der KI zur Verkehrsentwicklung nach dem Ringschluss und dem Bau der Bahnparallele ab 2015.
(Main-Echo Aschaffenburg 13. April 2010)





